Meinung #5

Datum: 23. Januar 2014 / Kategorien: Kinder, Jugend, Senioren & Familie, Wohnen & Stadtentwicklung / Schlagworte: , , /
„Wohnen bezahlbar machen! […] Und weniger Studenten in die Stadt lassen! […] Ich bin dafür, dass diejenigen Familien, die schon immer in Freiburg wohnen, also echte Freiburger Bobbele, eine faire Chance auf eine gescheite Wohnung zu normalen Konditionen haben. Es ist eine Frechheit, dass die Mietpreise immer weiter steigen.
[…] Schuld ist eindeutig die Stadt Freiburg, die alle Wohnungen verkauft, weil die Stadtkasse so leer ist, aber Millionen von Euros in unnötige Projekt wie Museen steckt. […] Die Wohnungen die verkauft worden sind […] werden billig renoviert und für viel Geld an Studenten vermietet […] Aus den meisten sogenannten Langzeitstudenten wird ja bekanntlich eh nichts.“

Christoph M.

Hermann Dittmers

Ihr CDU-Kandidat für den Freiburger Stadtrat

Hermann Dittmers (54), Geschäftsführer der Sparkassenbeteiligungsgesellschaft Freiburg / Ortsvorsteher Freiburg – Kappel

Lieber Herr M.,

herzlichen Dank für Ihre Anregungen und Zusendung ihrer Ansichten. Das hat mich doch zum Nachdenken angeregt.

Die Wohnungs- und Mietraumsituation in Freiburg – und da stimme ich mit Ihnen überein – ist völlig unbefriedigend. Dies abzustellen, darin sehe ich eine der vordringlichen Aufgaben in der nächsten Legislaturperiode des Gemeinderats. Denn auch die Mietpreisentwicklung birgt „sozialen Sprengstoff“.
Ausgehend vom 2006 beschlossenen Flächennutzungsplan (FNLP 2020) der Stadt Freiburg, wurden bis Ende 2010 ca. 80 Bebauungspläne aufgestellt. Heute sehen wir, das war aufgrund der hohen Attraktivität der Stadt zu wenig. Die Flächen, die jetzt noch zur Bebauung anstehen, sind häufig (strittige) Flächen, bei denen Anwohner und Bürger Einsprüche geltend machen. Diese haben wir Ernst zu nehmen und abzuarbeiten. Hieraus resultiert dann aber auch eine langsamere Entwicklung des Wohnungsangebotes.
Der Gemeinderat und damit auch die CDU-Fraktion haben erst vor kurzem das „Kommunale Handlungsprogramm Wohnen“ auf den Weg gebracht. Und es wird vorrangig die Idee eines neuen Stadtteils auf dem Gewann Dietenbach verfolgt. Wobei die Entwicklung eines neuen Stadtteil ca. 10 Jahre benötigt. Das ist für mich nur schwerlich nachzuvollziehen. Das ginge schneller. Für mich ist es aber auch wichtig, für Familien preisgünstigen Wohnraum zu schaffen. Hier sollte sich die Stadtbau Freiburg noch stärker einbinden. Und wir sollten bei der Planung und Umsetzung von neuen Wohnungen – wenn es rechtlich möglich ist – günstigen Wohnraum für Familien und sozial schwächere Menschen in den Bebauungsplänen „verankern“. Das gleiche gilt für die Einrichtung einer „Bodenpreisbremse“.

Dass die Mietpreise steigen ist nicht darauf zurückzuführen, dass die Stadt Wohnungen an fremde Dritte verkauft hat. Das war 2006 geplant, ist aber durch einen Bürgerentscheid am 12.11.2006 abgelehnt worden. Es ist vielmehr so, dass Freiburg sehr attraktiv ist und der positive Bevölkerungszuwachs auch durch die Länge der Bebauungsplanverfahren (Umfang der rechtlichen Voraussetzungen, Einsprüche etc.) nicht abgebaut werden kann. Und eine starke Nachfrage führt bei geringer wachsenden Angebot zu höheren Mieten. Es bleibt uns gar nichts anderes übrig, als die Verfahren deutlich zu beschleunigen, Stadtplanungs- und Baurechtsamt mit mehr Personal auszustatten, damit diese Arbeit auch geleistet werden kann. Auch bei den beteiligten Bürgern und betroffenen Anwohnern muss ein Umdenken einsetzen: an meinem „Gartenzaun können ruhig Kinder spielen“.

Ich bin Ende 1980 selber als Student in diese Stadt gekommen und bin geblieben. Jetzt als Familienvater von drei Kinder, angestellt bei der Sparkasse, leiste ich heute gerne meinen auch geldlichen Beitrag, um diese Gesellschaft voranzubringen. Ich bin davon überzeugt, dass nahezu alle der heutigen Studenten genauso denken: dankbar für die gute Ausbildung und bereit, sich später im Arbeitsleben in die Gesellschaft zu integrieren und sich sozial zu engagieren. Es gibt immer weniger sog. Langzeitstudenten, da durch die Struktur der heutigen Studiengänge, Menschen, die zu lange an der Uni verweilen, vom Studium ausgeschlossen werden können.

Mit freundlichen Grüßen,

Hermann Dittmers