Meinung #39

Datum: 14. April 2014 / Kategorien: Soziales / Schlagworte: , , /
„Durch die Reform des §72a des Sozialgesetzbuches VIII sind nun auch amtliche Führungszeugnisse für Ehrenamtliche in der Kinder- und Jugendarbeit gefragt: Das wirkt abschreckend für die Jugendarbeit. Gibt es Möglichkeiten, Ehrenamtliche von der Vorlegepflicht auszunehmen?“

Siegfried H. aus Landwasser

Stefanie Bock-Littin

Ihre CDU-Kandidatin für den Freiburger Stadtrat

Stefanie Bock-Littin (30), Studienrätin, Stühlinger

Lieber Herr H.,

vielen Dank für Ihre Frage! Offen gesagt, wusste ich bislang noch nichts von dieser Regelung, obwohl ich nicht nur beruflich als Lehrerin, sondern auch privat in der Vereinsarbeit mit Kindern und Jugendlichen zu tun habe.

Wie ich recherchiert habe, gilt das neue Kinder- und Jugendschutzgesetz seit fast einem Jahr und soll Missbrauch von Kindern und Jugendlichen verhindern. Kurz gefasst, ist das Ziel dieser Maßnahme, einschlägig Vorbestraften den Zugang zu Kindern und Jugendlichen über das Ehrenamt zu erschweren bzw. zu verwehren. Unter die relevanten Vorstrafen fällt nicht nur sexueller Missbrauch jedweder Art, sondern auch die Verbreitung von pornographischem Material, Zuhälterei, Exhibitionismus sowie Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Sie stimmen mir sicher zu, dass dieses Anliegen begrüßenswert ist, weil es unsere Kinder und Jugendlichen vor Wiederholungstätern schützt. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass es vor allen Dingen von langjährigen und allgemein geschätzten Ehrenamtlichen als Misstrauensvotum empfunden wird, wenn sie nun plötzlich ihr Führungszeugnis vorlegen sollen. Auch für jugendliche Helfer und Mitarbeiter könnte das eine Hemmschwelle sein, sich überhaupt oder weiterhin zu engagieren.

Demnach geht es also um die Abwägung: Schützen wir eher die Kinder und Jugendlichen oder die ehrenamtlichen Helfer? Wenn man bedenkt, mit wievielen Ehrenamtlichen Kinder in Schule und Freizeit in Kontakt kommen, wäre das Ziel, Kinder zu schützen, hinfällig, würde man Ehrenamtliche von der Vorlegepflicht ausnehmen. Wichtig wäre auch abzuschätzen, wieviele Ehrenamtliche man durch die Vorlegepflicht tatsächlich abschreckt und verlieren könnte. Es ist gut zu wissen, dass das Zeugnis schließlich bei jedem selbst verbleibt und lediglich einmal bei einem Vertreter der Einrichtung/des Vereins zur Einsicht vorlegt wird. Nur die oben genannten Vorstrafen sind relevant, über alles andere darf der Vertreter auch nicht sprechen.

Wem es mulmig wird bei dem Gedanken, sein Führungszeugnis einer anderen Person vorzulegen, dem hilft es möglicherweise, sich an den Zweck zu erinnern, der keine Schikane darstellt, sondern unsere Kinder und Jugendliche vor Missbrauch durch Vertrauenspersonen schützen soll – genau das, was wir von unserem Staat und den Behörden erwarten.

Lieber Herr H., lassen Sie uns gemeinsam dafür eintreten und Überzeugungsarbeit leisten!

Es grüßt Sie herzlich,
Stefanie Bock-Littin