Meinung #43

Datum: 12. Mai 2014 / Kategorien: Bildung, Soziales, Stadtratsfraktion Freiburg / Schlagworte: , /
„Meine Meinung: Für mich ist Inklusion von Menschen mit Behinderungen wichtig. Wie ist die Meinung der CDU? Welche Pläne gibt es? Für welche Lebensbereiche?“

anonym aus der Innenstadt

Martin Kotterer

Ihr CDU-Kandidat für den Freiburger Stadtrat

Martin Kotterer (53), Berater für behinderte Menschen, Littenweiler

Liebe Freiburgerin,

Vielen Dank für Ihre Anfrage. Die CDU Freiburg setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben führen können und dass Barrieren, wo immer es möglich ist, abgebaut werden. Dies gilt für alle Lebensbereiche. Dabei muss aber darauf geachtet werden, dass Menschen mit Behinderungen tatsächlich mehr und bessere Möglichkeiten zur Teilhabe haben.

So müssen beispielsweise in Schulen zusätzliche und gut qualifizierte pädagogische Kräfte eingesetzt werden, damit eine gemeinsame Beschulung von Menschen mit und ohne Behinderung für alle erfolgreich ist. In Freiburg setzen wir uns u. a. dafür ein, dass barrierefreie Wohnungen in ausreichender Zahl gebaut werden und Barrieren im öffentlichen Raum beseitigt werden. Dabei gibt es allerdings auch Grenzen. So kann z. B. die Absenkung von Randsteinen an Gehwegen für Rollstuhlfahrer und gehbehinderte Menschen dazu führen, dass Menschen mit starker Sehbehinderung sich nicht mehr ausreichend und sicher orientieren können.

Wichtig ist uns auch, dass Menschen mit Behinderungen geeignete Beschäftigungsmöglichkeiten haben. Deshalb achten wir darauf, dass die Stadtverwaltung und die städtischen Betriebe sich entsprechend engagieren.
Gerne stehe ich Ihnen für ein persönliches Gespräch zu diesem Thema zur Verfügung.

Martin Kotterer
Stadtrat
Sozialpolitischer Sprecher

Michael Gruninger

Ihr CDU-Kandidat für den Freiburger Stadtrat

Michael Gruninger (35), Geschäftsführer Freiburger Frischwaren GmbH, Herdern

Hallo,

vielen Dank für Ihre Fragen. Inklusion ist ein aktuelles Thema, das auch für die CDU sehr wichtig ist. Im Gegensatz zur Integration, ist die Idee der Inklusion die Anpassung der Umwelt an die jeweiligen Voraussetzungen der Menschen. So soll auch z.B. für schwerbehinderte Menschen Teilhabe ermöglicht werden: Inklusion heißt in ihrem Fall, dass ausreichend Unterstützung und Assistenz vorhanden sein muss – zum Beispiel am Arbeitsplatz oder durch Schulhelferinnen und -helfer.

In Deutschland ist Inklusion bislang hauptsächlich im Bereich Schulbildung ein Thema. Mancherorts konnte das Modell der „inklusiven Schule“ schon eingeführt werden – eine Schule, die sowohl behinderten als auch nicht behinderten Schülerinnen und Schülern einen gemeinsamen Unterricht ermöglicht. Die CDU setzt sich für das Konzept der Inklusion auch in den Bereichen Kindergarten und Altersheimen ein.

Ein nicht zu vernachlässigbares Thema bei der Einführung der Inklusion sind die Kosten. Lange wurde das Konzept für zu teuer und damit für unfinanzierbar gehalten. Die CDU setzt sich dafür ein, dass hierfür ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt werden. Denn es muss allen unseren Mitbürgern ermöglicht werden, unabhängig von den verschiedenen Voraussetzungen, so gut wir möglich am Leben teilnehmen zu können.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Gruninger


Meinung #39

Datum: 14. April 2014 / Kategorien: Soziales / Schlagworte: , , /
„Durch die Reform des §72a des Sozialgesetzbuches VIII sind nun auch amtliche Führungszeugnisse für Ehrenamtliche in der Kinder- und Jugendarbeit gefragt: Das wirkt abschreckend für die Jugendarbeit. Gibt es Möglichkeiten, Ehrenamtliche von der Vorlegepflicht auszunehmen?“

Siegfried H. aus Landwasser

Stefanie Bock-Littin

Ihre CDU-Kandidatin für den Freiburger Stadtrat

Stefanie Bock-Littin (30), Studienrätin, Stühlinger

Lieber Herr H.,

vielen Dank für Ihre Frage! Offen gesagt, wusste ich bislang noch nichts von dieser Regelung, obwohl ich nicht nur beruflich als Lehrerin, sondern auch privat in der Vereinsarbeit mit Kindern und Jugendlichen zu tun habe.

Wie ich recherchiert habe, gilt das neue Kinder- und Jugendschutzgesetz seit fast einem Jahr und soll Missbrauch von Kindern und Jugendlichen verhindern. Kurz gefasst, ist das Ziel dieser Maßnahme, einschlägig Vorbestraften den Zugang zu Kindern und Jugendlichen über das Ehrenamt zu erschweren bzw. zu verwehren. Unter die relevanten Vorstrafen fällt nicht nur sexueller Missbrauch jedweder Art, sondern auch die Verbreitung von pornographischem Material, Zuhälterei, Exhibitionismus sowie Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Sie stimmen mir sicher zu, dass dieses Anliegen begrüßenswert ist, weil es unsere Kinder und Jugendlichen vor Wiederholungstätern schützt. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass es vor allen Dingen von langjährigen und allgemein geschätzten Ehrenamtlichen als Misstrauensvotum empfunden wird, wenn sie nun plötzlich ihr Führungszeugnis vorlegen sollen. Auch für jugendliche Helfer und Mitarbeiter könnte das eine Hemmschwelle sein, sich überhaupt oder weiterhin zu engagieren.

Demnach geht es also um die Abwägung: Schützen wir eher die Kinder und Jugendlichen oder die ehrenamtlichen Helfer? Wenn man bedenkt, mit wievielen Ehrenamtlichen Kinder in Schule und Freizeit in Kontakt kommen, wäre das Ziel, Kinder zu schützen, hinfällig, würde man Ehrenamtliche von der Vorlegepflicht ausnehmen. Wichtig wäre auch abzuschätzen, wieviele Ehrenamtliche man durch die Vorlegepflicht tatsächlich abschreckt und verlieren könnte. Es ist gut zu wissen, dass das Zeugnis schließlich bei jedem selbst verbleibt und lediglich einmal bei einem Vertreter der Einrichtung/des Vereins zur Einsicht vorlegt wird. Nur die oben genannten Vorstrafen sind relevant, über alles andere darf der Vertreter auch nicht sprechen.

Wem es mulmig wird bei dem Gedanken, sein Führungszeugnis einer anderen Person vorzulegen, dem hilft es möglicherweise, sich an den Zweck zu erinnern, der keine Schikane darstellt, sondern unsere Kinder und Jugendliche vor Missbrauch durch Vertrauenspersonen schützen soll – genau das, was wir von unserem Staat und den Behörden erwarten.

Lieber Herr H., lassen Sie uns gemeinsam dafür eintreten und Überzeugungsarbeit leisten!

Es grüßt Sie herzlich,
Stefanie Bock-Littin