Meinung #49

Datum: 17. Juli 2015 / Kategorien: Der Dialog, Sonstiges, Stadtratsfraktion Freiburg /
„Hallo,
wie wollen Sie mich und meine Ansichten vertreten, wenn sie lediglich eine Frau und eine Person in meinem Alter in Ihren Reihen haben? Das ist doch unmöglich. Sie – CDU-Herren – haben doch eine völlig andere Lebenswelt als ich!
Außerdem: Sie schreiben im generischen Maskulinum und schreiben mich damit nicht an, sondern schließen mich aus! Eine deutliche Mehrheit, das sind nicht 58,2%!“

weiblich, 29, aus Opfingen

Graf von Kageneck

Vorsitzender Stadtratsfraktion

Wendelin Graf von Kageneck, Rechtsanwalt, Munzingen

Liebe Freiburgerin,

gute Politik für alle Bürger zu machen hängt in unseren Augen nicht mit dem Alter und dem Geschlecht der Politiker zusammen.

Die CDU hat zur letzten Kommunalwahl eine Liste aufgestellt, die einen Querschnitt der Freiburger Gesellschaftsstruktur bestmöglich widerspiegelt. Die CDU-Liste war jung wie nie und von Frauen und Männern in gleicher Anzahl besetzt. Auch viele andere Listen haben ein identisches Geschlechterverhältnis aufgewiesen. Besonders im Vordergrund standen dabei die vielen Jüngeren.
Die jetzigen Fraktionen wurden in ihrer jetzigen Zusammenstellung aber nicht von den Parteien und Listen aufgestellt, sondern gewählt. Sie, die Wählerinnen und Wähler haben es mit Ihren Stimmen in der Hand, wer gewählt wird. Im Ergebnis sind leider nur 1/3 aller gewählten Stadträte Frauen. Und über alle Parteigrenzen hinweg hat sich der Altersdurchschnitt in Freiburg erhöht: Während die Kandidatinnen und Kandidaten 2009 im Durschnitt 45,9 Jahre alt waren, ist der Altersdurschnitt 2014 auf 46,4 Jahre angestiegen. Bei den gewählten Stadträtinnen und Stadträten ist er von 51,5 auf 53 Jahre angestiegen. Wir sehen, dass das Ziel eines geschlechter- und altersmäßig ausgeglichenen Gemeinderats eben nicht einfach eine Frage der Listenaufstellung ist, sondern eines genauen, differenzierten Blickes bedarf. Besonders steht hierbei auch die Frage im Raum, wer sich in welcher Lebenssituation ein dermaßen arbeitsintensives Ehrenamt leisten kann. Hier müssen wir ansetzen. Ebenfalls ist anzuerkennen, dass Stadträte in der Regel eine hohe Wiederwahlwahrscheinlichkeit haben. Auf der CDU-Liste wurden von den Wählern viele neue, meist weibliche Kandidaten einfach „übersprungen“.

Wann immer wir das generische Maskulinum nutzen, schließen wir das weibliche Geschlecht nachdrücklich mit ein. Das ist heute eine Selbstverständlichkeit, die unseres Erachtens nach nicht jedes Mal neu betont werden muss.

Das Ziel unserer Politik ist es, möglichst viele Interessen und Anliegen aus der Bürgerschaft in unsere Politik einfließen zu lassen und in konkrete Initiativen und Beschlüsse zu übersetzen. Politische Erfahrung, wie auch Lebenserfahrung sind hierbei sicherlich nicht von Nachteil, Alter und Geschlecht kein Makel.

Auf unserer Homepage finden Sie weitere Informationen zu unserer Arbeit.

Mit freundlichen Grüßen
Wendelin Graf von Kageneck
Fraktionsvorsitzender